Mit einem Tom-Tom nach Holland zu den vriendelijk dokters en ziekenverpleegsters Die equipe37 beim 3-Landen-Cup in Hengelo

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Nach dem üblichen Vorgeplänkel beginnt jetzt endlich die Saison mit den beiden ersten Läufen zum 3-Landen-Cup in Hengelo. Corinna und Nail holen mich in Rheine am Bahnhof ab; von dort geht’s zunächst ins Fahrerlager von Hengelo, wo uns das Team um Bernd „Besche“ Scheeder bereits erwartet. Sie haben uns einen schönen Platz mit direktem Zugang zum Dixie-Klo reserviert. Nur können wir noch nicht mit dem Aufbau des Zeltes beginnen, da Axel und Tati noch bei David van de Wall in Helmond sind, dem satanischen R-1-Magier, der noch einige Kabinettstückchen realisieren möchte. Das dauert. Also fahren wir erst mal nach Bronkhorst, dem kleinsten Ort in Holland mit Stadtrechten (wie mir später der für die Streckenreinigung verantwortliche Trucker erklärte, ging das seinerzeit mit Münz- und Zoll-Privilegien einher und bedeutete Reichtum ohne Ende), in die „Herberg de Gouden Leeuw“, wo wir von einem vriendelijk hotelier begrüßt werden. Erstmals wurden wir von unserem TomTom abstrus fehlgeleitet! Aber immerhin: wir kamen an. Der bekannte Motorsportjournalist Andy Glänzel, der sich an diesem Wochenende bei uns einquartieren würde, traf praktisch zeitgleich ein. Ich hoffe, er fühlte sich wohl bei uns, wir fühlten uns jedenfalls sofort sehr wohl in seiner Gesellschaft!

Da der vriendelijk hotelier um Mitternacht das Hotel abschloss, musste ich so gegen 2:30 Uhr nochmals raus, um Axel und Tati Einlass zu gewähren.

Morgens dann ohne Frühstück zur Strecke; Pavillon aufgebaut; Mopped gerichtet und ab ging’s zum ersten Zeittraining. Da ich dort neu war und nicht wusste, dass die Boxengasse dem Fahrerlager gegenüber liegt, wurde ich, die Zeitentafel in der Hand, brüsk von den Streckenposten zurückgewiesen. Also würde Axel keine Zeiten kriegen.
Nach dem Training stellte sich allerdings heraus, dass die Reifen (warum auch immer) nicht funktionierten. Also wurden andere montiert und ab ging es zum zweiten Training. Wo es dann gleich schon viel besser lief. Allerdings befand sich dieses mal überhaupt niemand vom Team in der Boxengasse, da alle zu spät dran waren. Egal! Wir fühlten uns gut vorbereitet; insbesondere das „mobile“ Notstromaggregat (36 kg), montiert auf farblich abgestimmter Sackkarre, machte im Zusammenspiel mit den Reifenwärmern den Mechanikern einen Heidenspaß.

Abends dann zurück zum „Goldenen Löwen“, wo wir das Privileg der Hotelgäste in Anspruch nahmen, noch um 21 Uhr eine warme Mahlzeit zu bekommen. Sehr lecker; alle gut gelaunt, aber auch erschöpft. Nach einem kleinen Absacker schliefen wir uns mal so halbwegs aus.

Am nächsten Morgen ging das kurze Warm-Up ohne Schwierigkeiten über die Bühne. Dann der Vorstart zum ersten Lauf des 3-Landen-Cup. Das hochprofessionelle Schrauberduo Nail/Smoke heizt die Pneus auf bekömmliche 80 ºC auf. Dann das 1-Minuten-Zeichen! Reifenwärmer runter, Axel geht in die warm-up-Lap. Wir treffen uns in der Boxengasse mit Nena, der Tochter von Besche, die unsere Zeitentafel mitbenutzen möchte. Tati und Corinna schauen sich das Rennen in der ersten Rechts nach Start und Ziel an. Beim Start kommt es auf der ziemlich schmalen Piste (der nordirische Temple-100-Kurs lässt grüßen) in den vorderen Reihen gleich mal zu Berührungen, aber alles geht klar.

Nach der ersten Runde hat Axel einige Plätze verloren, ist allerdings an den TT-Veteranen Dirk Kaletsch und Patrick van Gils dran. Aus der zweiten Runde kommt Axel dann leider gar nicht mehr zurück. Unser erster Gedanke gilt natürlich Tati, die ohnehin immer ziemlich nervös bis ängstlich ist, wenn ihr Göttergatte fährt. Dazu ist sie im Moment noch hochschwanger, was die seelische Belastbarkeit noch um einiges einschränkt. Wir müssen allerdings in der Boxengasse verharren
(s. o.) und versuchen, bei den Streckenposten was rauszufinden. Irgendwann dann die Nachricht, dass Axel tatsächlich gestürzt ist, aber keine näheren Informationen. Telefonier-Versuche sind bei dem Geräuschpegel zum Scheitern verurteilt. Dann kommt Besche mit einem Motorschaden vorzeitig in die Box und erzählt, dass man Axel ewig nicht wegtransportiert habe, was kein gutes Zeichen gewesen sei.

Endlich ist das Rennen zu Ende; die Leute von Besche nehmen unser Equipment mit, damit wir direkt zur Ambulanz laufen können. Dort sitzt Tati völlig konsterniert und kaum ansprechbar; Corinna berichtet gar von einem Nervenzusammenbruch. Wie Tati später erzählt, kamen ihr wieder die Erlebnisse von ihrem ersten TT-Besuch in den Sinn, der auch mit einem Rennsturz Axels begann.

Axel selbst geht es dagegen allem Anschein nach ziemlich gut. Außer zwei Eisbeuteln deutet nichts auf irgendwelche Blessuren hin. Bedenklich ist allerdings die Tatsache, dass er behauptet, er sei gar nicht gestartet. Die Ärzte und Rettungssanitäter, die sich sowohl um Axel als auch die besorgten Team-Mitglieder aufs liebevollste kümmern, erklären das mit einer Bewusstlosigkeit (daher die lange Behandlungszeit an der Rennstrecke) und einer Gehirnerschütterung – die Spuren am Helm lassen das plausibel erscheinen.

Zur Sicherheit muss Axel eine Nacht zur Beobachtung ins Krankenhaus. Tati und Nail fahren in der Ambulanz mit (Chevy-Van mit V-8-big-block), während Corinna und ich den Transit packen. Andy, einer der Helfer von Bernd Scheeder, erklärt sich sofort bereit, den Wagen mitzunehmen und auf dem Weg nach Hause bei Unhold abzustellen. Corinna und ich fahren dann nach Doetinchem in das „Slingeland Ziekenhuus“. Die Dame im TomTom sagt: „Noch 300 Meter und Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ Just in diesem Moment passieren wir das Hinweisschild zum Krematorium!

Nail begrüßt uns auf dem Parkplatz. Alles ist wohl organisiert, die Klinkmitarbeiter von ausnehmender Freundlichkeit. Da wir nicht alle mit Namen kennen, seien hier stellvertretend für alle anderen genannt: Frau dokter Martens von der Erstversorgung, die Axel in Empfang nahm; ziekenverpleegster Wilbert, der Tati und Axel gleich bei der Planung der Heimfahrt mit dem Zug half und schließlich ziekenverpleegster Ingeborg von der Traumatologie, die uns mit Getränken versorgt, Tati ein Hotel empfiehlt (wie nicht anders zu erwarten, mit einer vriendelijk hotelier-vrouwe) und überhaupt fröhlicher ist als alle Berliner Krankenschwestern zusammen!

Wohl wissend, dass Tati und Axel in guten Händen sind, fahren wir – gut in der Zeit – Richtung Rheine. Leider verlassen wir uns auf das Navigationsgerät. Erst als ein Hinweisschild die (deutsche) A 12 Richtung Oberhausen ankündigt, werden wir misstrauisch! Das TomTom hat uns exakt in die falsche Richtung geleitet. Mein Zug ist damit abgeschrieben. Das Billigticket leider auch(Zugbindung)! Per Bahnauskunft lasse ich mir die nächste Verbindung durchsagen: IC ab Rheine bis Berlin-Ostbahnhof, also praktisch direkt vor die Haustür! In Rheine verabschieden wir uns, versichern uns nochmals gegenseitig, dass alles glimpflich ausgegangen ist und ich steige in den Zug. Der kommt, ich kann es kaum glauben, aus...

Hengelo!

 

 

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