Equipe37 zurück in Hengelo

Erster Lauf zur International Road Racing Championship

Aus dem traditionellen 3-Landen-Cup wurde in der Saison 2010 die „International Road Racing Championship“; zwei Rennen in Chimay (Belgien) sowie auf dem Schleizer Dreieckskurs sind jetzt dazugekommen. Saisonauftakt bleibt aber traditionell Hengelo in Holland.

Da unsere Erfahrungen aus den letzten Jahren gezeigt haben, dass eine Anreise nach einem normalen Arbeits-Freitag ganz schön stressig ist - zumal der Zeitplan für das Samstags-training ganz schön eng gehalten wird, haben wir uns entschieden, dieses Jahr jeweils vor den einzelnen Läufen der IRRC einen Tag Urlaub zu nehmen und schon frühzeitig anzureisen. Dies ermöglichte uns (Fahrer Axel und Chefmonteur Smoke) heuer, zunächst in unserer Privatunterkunft in Ruurlo bei Gerrie und Bert Kettelerij einzuchecken, die Frühstückszeiten für Samstag und Sonntag mit unseren Gastgebern abzustimmen und dann noch ins Fahrerlager nach Hengelo zu fahren und dort bei Tageslicht das Teamzelt aufzubauen. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Wasserschloss von Ruurlo vorbei und an einigen anderen bemerkenswerten Immobilien, die sicher nicht durch niederländisches Prekariat bewohnt werden. Gerne hätte man sich mal im dazugehörigen Park umgesehen, aber aus alter freundschaftlicher Verbundenheit zur Neederlands natie respektierten wir natürlich die „Besloten“-Schilder.

Nachdem die mobile Teamzentrale aufgeschlagen war, wollten wir noch ein wenig speisen; allerdings war das Festzelt im Fahrerlager dicht und auch in Hengelo selbst gab es nur noch einen Imbiss, der Frikandel, Bitterballen und Gehaktbal anbot. Dies bewog uns, zum Chinamann zu gehen, dessen holländische Speisekarte u. a. ein Gericht mit Cashewnoots und eines „zoet-zuur“ anbot. Axel entschied sich für Ersteres, Smoke für Letzteres. War wohl beides Huhn; jedenfalls schmeckte es wie beim Chinesen, also so halbwegs „Chow-Chow“.

Um 10 Uhr abends fuhren wir dann nochmal ins Fahrerlager, wo im Teamzelt des holländischen Zweitakt-Veteranen Arie Molenaar traditionell eine informelle Zusammenkunft der IRRC-Gemeinde stattfindet. Anschließend Rückkehr in die Unterkunft

Training

Nach einer Dusche und anschließendem kontinentalen Frühstück ging es ins Fahrerlager zur technischen Abnahme. Um die zu bestehen, mussten wir zunächst Explosave besorgen, das in unserem Kurzstreckentank leider noch fehlte. Thilo Häfele half freundlicherweise aus.

Danach ging Axel das erste Mal seit seinem schweren Sturz im Jahr 2008 wieder auf die Strecke. Es gab auf dem Kurs einige kleine Änderungen, vor allem aber war das Motorrad erheblich schneller als vor 2 Jahren. Es begann also zunächst eine Lernphase, die letztlich auf Startplatz 22 führen sollte. Derweil hatte der Mechaniker nichts zu tun außer nach dem Rennen die Fliegen von Verkleidungsscheibe und Helmvisier zu entfernen und den Hinter-reifen beim Renndienst wechseln zu lassen. Für andere Teilnehmer lief es nicht ganz so gut: Dirk Kaletsch zerlegte sein Bike nachhaltig und musste dann mit der Reserve-Triumph von Matthias Dax fahren; Niklas Pfeiffer feuerte seine BMW derart nachhaltig in den holländischen Mutterboden, dass nach Rahmenschaden das Wochenende gelaufen war. Aber zumindest waren die Fahrer heil!

Das kulinarische Highlight des Wochenendes dann am Samstag-Abend: die exklusiv für das Catering zuständige Firma Vosmeijer lud per Flyer ab 17:30 Uhr ins Festzelt zu einer Maaltijd ein. Satéstokjes met Bami sollte es geben. Das würde uns die Suche nach einem Restaurant ersparen! Zunächst einmal war allerdings das Zelt noch geschlossen (und, das sei vorweggenommen, es sollte auch den ganzen Abend nicht mehr öffnen); einer der Frittenbrater erklärte Axel dann, dass es das Essen an dem Imbissstand gäbe, der zu diesem Zeitpunkt noch geschlossen war. Axel mutmaßte, so könne man nicht sehen, aus welchen Kanistern das Essen käme. Um 18 Uhr ging dann die Klappe hoch, es bildete sich eine aus ca. 10 Leuten bestehende Schlange, die die Imbissverkäuferin vor schier unlösbare Probleme stellte: Sie hantierte hysterisch mit den Styroporschachteln, die Hälfte des Essens landete auf Tresen und Fußboden und Axel und ich bekamen die letzten Satéspieße ab. Diese aßen wir dann mangels anderer Sitzgelegenheit im Teambus. Bemerkenswert war bereits die Ponal-artige Konsistenz der Erdnusssauce (die allerdings viel schneller eine Haut bildete als der legendäre Holzleim); wirklich beeindruckt wurden wir aber erst durch den Nachgeschmack, der uns noch das ganze Wochenende verfolgen würde. Das Catering für die VIP-Lounges der Equipe37 bei der Endurance-WM wird nach dieser Erfahrung wohl niemals von solchen Separatorenfleischköchen bestückt werden.

Wir gingen dann noch in Ruurlo in einen Supermarkt, kauften bei einer Grid-Girl-würdigen Kassiererin international be- und anerkannte Lebensmittel (Cola light, Bananen, Vla und Hagelslag extra puur), suchten vergeblich Sport 1 auf dem Fernseher unserer Unterkunft, konnten daher kein Eishockey schauen und mussten folglich mit dem Pokalfinale Werder gegen Bayern vorliebnehmen. Schließlich begaben wir uns zu Bett.

Rennen

Am Sonntag dann nach einem letzten Frühstück wurden die Privatklamotten gepackt und wir fuhren nach Hengelo, um das Warm-Up in Angriff zu nehmen. Nach 2 Runden fehlte Axel. Scheiße!!! Ein Offizieller teilte allerdings mit, dass unser Fahrer nur mit einem technischen Problem gestrandet sei und in der Pause mit dem Besenwagen ins Fahrerlager gebracht würde. Dort kam er auch wohlbehalten an. Der Defekt war allerdings äußerst rätselhaft: zuerst war die Kontrollleuchte für die Motorsteuerung angegangen und die Drehzahl wurde auf Standgas runtergeregelt. Sicherheitshalber hielt Axel an, obwohl die Maschine nach einmaligem Stop and Go des Motors wieder einwandfrei lief. Das Risiko, dass das Problem auf dem Weg ins Fahrerlager wieder auftauchte, war ihm aber zu groß - das Warm-Up war ohnehin gelaufen.

Kaum im Teamzelt angekommen, näherten sich auch schon die holländischen Schrauberprofis David und Feiko sowie kurze Zeit später Laurens. Die zerlegten kurzerhand das Bike, kontrollierten alle Steckverbindungen und erklärten das Problem für behoben. Tatsächlich sollten die beiden Rennen auch anstandslos über die Bühne gehen.

In Lauf 1 fuhr Axel noch sehr verhalten; im Vergleich mit den Topfahrern Didier Grams und Wim Theunissen (die späteren Sieger bzw. Zweitplatzierten beider Läufe) war klar zu erkennen, dass diese aggressiver bremsten und härter in Schräglage beschleunigten. So blieb die persönliche Bestzeit mit 2:04 weit hinter den Erwartungen zurück. Aber in Lauf 2 gab es nochmals für 12 Runden die Möglichkeit, die zwei Haarnadelkurven Boschbocht und Molenbocht sowie die Schikane zu studieren und nach dem schnellsten Weg zu suchen. Und tatsächlich lief es nun deutlich besser, Axel fuhr jetzt 2:02, konnte auf der Strecke mitfighten und hatte, wie er nach dem Rennen berichtete, mehr Spaß als im ersten Lauf. So ganz zufrieden war er allerdings immer noch nicht, denn das Potenzial des Motorrades schöpfte er nicht vollständig aus.

Aber bereits in 3 Wochen hat er die Möglichkeit beim 37sten Snelheidsprijs van de Noordzee in Oostende, die Grenzen unserer Team-Maschine auszuloten. Wir werden an dieser Stelle berichten.

 

 

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